Ein Dienst, der Seinesgleichen sucht...

Es begann heute nacht mit einem Telefonanruf nach kurzen 2 Stunden Schlaf. Die Transplantationskoordinatorin (ein ganz schön schwer zu schreibendes Wort, wenn man müde ist, aber ich hoffe ich hab es richtig gemacht) fragte mich, ob ich in 40 Minuten an der Notfallpforte sein könne. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich mit Blumen, Sternen oder irgendeinem anderen sinnlosen Traum beschäftigt, war aber nicht wirklich motiviert, dieses gegen die reelle Umgebung um mich auszutauschen. Also antwortete ich...ja, selbstverständlich (da war Hirn mal wieder schneller als Herz ;-)).

Vorm Notfalleingang traf ich dann auf meinen Oberarzt, eine OPS-Schwester und einen Taxifahrer, der uns für das geringe Entgelt von 550 Stutz mal schnell zum Zürcher Flughafen fuhr, da unser Flughafen wegen Regens nicht angesteuert werden konnte :-(



Von hier an, wurde es richtig gut :-). Erst wurden wir in den REGA-Hanger geführt, bekamen etwas zu Trinken bevor wir dann mit dem Jet direkt nach Paris flogen...ein Landeanflug in so etwas wie einem Privatjet über Paris bei Sonnenaufgang...ist zwar nicht so gut wie Sex, aber besser als ne Folge "Two and a half men" (aber auch nur EINE). Doch dann ging das Abenteuer ja erst richtig los...



Wir verluden unser Gerät in einen mit Blaulicht ausgestatteten Kombi und fuhren los. Der Ausdruck des Fahrens beschreibt jedoch nicht das, was wir in den nächsten 20 Minuten bei Spitzengeschwindigkeit von 130 Sachen im morgendlichen Berufsverkehr erleben durften :-).



Unsere aus zwei Motorradpolizisten bestehende Eskorte, sorgte für genügend Unterhaltung, so dass die Müdigkeit keine Chance hatte (okay...das Übelkeitsgefühl, das sich gegen Ende einstellte oder der Adrenalinspiegel taten ihren Rest). Man achte auf die Dame, die morgens um 6 die Strasse an einer Ampel überqueren wollte und von Glück sprechen konnte, nicht 2 Sekunden früher das Haus verlassen zu haben ;-).





Die beiden Jungs haben es hervorragend verstanden den vor uns "trödelnden" oder auch "entgegenkommenden" Auto klarzumachen, dass sie sich gefälligst verpieseln sollen. Das beginnt mit Sirene und Blaulicht, geht über zur bis zur Dyspnoe zum Einsatz gekommenen Pfeife, die sie unentwegt nutzen und steigerte sich bis zu wild gestikulierenden, zT freihändig ausgeführten Todes-Maneuvern um ja jedem klar zu machen, dass sie auf der Strasse nur 2 Dinge sehen wollen - das eine sind wir und das andere ist nicht IHR! Bei ganz komplex zu überzeugenden Autofahrern, wurde auch gern der Effefinger benutzt, mit der Faust bei 100 km/h gegen die Scheibe geschlagen oder einfach mit dem Fuss beim vorbeifahren der Karrosserie ein Tritt verpasst.

Auf jeden Fall kamen wir irgendwann zum Teil breit über das Gesicht grinsend, zum Teil den grünlichen Schleier im Gesicht verbergend mit den Jungs von der Gendarmerie am Spital an.



Nach erfolgreicher Multiorganentnahme ging es dann natürlich noch pressanter (Höchstgeschwindigkeit 145 km/h, absolute Übelkeitsgrenze) mit einem nanosekunden schnellen Blick z.B. am Notre Dame vorbei zurück zum Flughafen. Das Video sagt mehr als 1000 Worte...es war einfach wieder zum Schiessen und die Jungs auf den Motorrädern haben ihren Einsatz sichtlich genossen :-)





Den Rückflug durfte ich dann im Cockpit geniessen - eine Chance die man seit 9/11 leider so gut wie überhaupt nicht mehr hat, also musste ich einfach zugreifen - und habe dabei tolle Bilder der Schweiz, auch wenn triefend nass...die Schweiz, nicht die Bilder...schiessen können (auch wenn es niemanden interessiert...meine Wohnung konnte ich auch sehen - zumindest so ungefähr :-D).



Die Landung selber möchte ich euch einfach ganz unkommentiert hier zeigen :-)




Alles in allem ein anstrengender, spannender, mit wenig Schlaf verbundener, aber gerade aufgrund dieser Mischung beste Dienst, den ich in den letzten 6 Jahren (und länger mache ich noch keinen Dienst) erleben durfte.



Und die Patientin hat ihr Organ noch rechtzeitig erhalten...

gruesse, die niere
10.8.09 17:03
 




bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Daisy (11.8.09 19:53)
Also, äh ja, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll! Das ist schon ein ziemlich krasses Dingen! Und die Dame habt ihr wirklich bald mitgenommen )))


Schwarzwald (25.1.10 00:52)
Danke für diesen Blogbeitrag und die Videos, ab sofort werd ich vorsichtiger über die Strasse in Paris laufen..... und diese Landung *würg*


Gregor / Website (20.2.11 07:34)
Sag mal Nierchen bei dem Fahrstil hatte ihr doch sicher immer eine Hand aus dem offenen Fenster gehalten damit man Euch leichter aus dem Wrack ziehen kann. Diese Motorradcops sind ja die Härte!!
VG =-O

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