Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die grösste Insel von Hawaii's heisst Hawaii und wird in der Umgangssprache eigentlich nur Big Island genannt. Was nicht weiter verwunderlich ist, da es nun einmal die grosse Insel ist...aber genug davon. Bevor wir in Big Island landeten haben wir die verschiedensten Meinungen darüber gehört, aber die meisten fanden sie nicht sehr schön, nicht attraktiv genug oder wüssten kaum 2 Tage dort sinnvoll zu verbringen. Ohne vorgreifen zu wollen, welches ich mit dem nächsten Satz trotz dessen tue, es lohnt sich in jedem Fall. Jeder der Hawaii besucht, sollte auf keinen Fall Big Island verpassen. Allein schon deswegen weil sie so ganz anders als Oahu oder Maui ist. Auch ich würde meinen gesamten Hawaii Urlaub nicht auf dieser Insel verbringen aber hätten wir das verpasst, was wir dort erlebt haben, wäre der Urlaub in jedem Fall unvollkommen gewesen.
Die ersten zweieinhalb Tage verbachten wir in einem wunderschönem Bed and Breakfast auf der Gegenseite von Kona, nämlich bei Hilo (eine Stadt deren Charakter zwar von vielen Hawaiianern gelobt wurde, wir diesen jedoch wahrscheinlich analog zur Feststellung, eine Frau hätte Charakter, welches gleichbedeutend mit fehlender Schönheit ist, nicht finden konnte uns diese Stadt deswegen keine weitere Erwähnung in diesem Blog erfahren dürfte).
Der typische Hawaii Urlauber würde sich mit Sicherheit am Fehlen des Strandes stören (ich bin wieder beim Thema Bed and Breakfast), aber das ist nicht der Sinn der Urlaubes auf Big Island. Hier ist die Natur auf Platz 1. Nur hier findet man Wüste, Mondlandschaft, Steppe, Urwald, Strände, Kaffeeplantagen, kilometerhohe Berge und Vulkanlandschaften so nah nebeneinander wie nirgendwo anders. Aber eigentlich war ich bei unserem Bed and Breakfast stehen geblieben.
Betrieben wurde es durch Pat und ihre Schwestern, beides sehr herzige Damen, die ihre Rente damit aufbessern, Menschen ein kurzweiliges zu Hause mit einem traumhaften Frühstück zu bieten, wie man es nur selten findet. Wir haben uns ab der ersten Minute äussserst wohl gefühlt. Insgesamt gibt es nur 2 Zimmer für Gäste und das zweite war leer, so dass es einfach eine ganz persönliche Stimmung war. Abends haben wir zu viert auf dem Lanaii (der Festlandamerikaner würde Verenda sagen) gesessen und über Gott und die Welt geredet (naja...eigentlich mehr über die Unterschiede von USA und Europa, USA und Hawaii, Busch und das Gesundheitssystem hier in der Schweiz, in Deutschland und den USA).

Ausserdem haben wir viel Persönliches ausgetauscht und in den zweieinhalb Tagen haben wir alle uns so gut verstanden, dass die von uns angebotene Verabschiedung per Handschlag von Pat nur mit einem „Oh no...forget it. I have to HUG you, please!“ Wie gesagt...es war extremst herzig und wir sind jederzeit wieder willkommen. Und jeder der eine Bleibe auf Big Island sucht, sei dringend an dieses Bed and Breakfast in Ala Kai verwiesen. Ruhig, abgeschieden und eine Aussicht, die seinesgleichen sucht. Und - by the way - die coqui (das ist eine eingeschleppte Froschpest, die die ganze Nacht mit ihrem quäken jegliches Auto übertönen können) sind bisher nur in geringem Masse aufgetaucht.
An dem einen Tag haben wir die Gegend, die Natur, ihre (zugegebenermassen unterdurchschnittlichen Strände erkundet und die eine oder andere Legende gefunden :-)). So wird erzählt, dass ein Leuchtturmwärter eines Tages einer alten Dame, die er nicht kannte, etwas zu essen angeboten hat, die danach nie wieder gesehen wurde. Noch in der gleichen Nacht, brach der Pahoehoe aus und sendete Tonnen von heisser Lava über das Land bis kurz vor den Leuchtturm, wo sich der Lavafluss teilte und den Leuchtturm verschonte. Diese Gnade wurde Legenden nach durch Pele ermöglicht, die in Form der alten Dame dem Leuchtturmwärter erschien – also denkt daran...fahrt niemals an einer alten Dame auf Big Island vorbei ohne sie zu fragen, ob ihr sie mitnehmen oder ihr etwas Gutes tun könnt. So wunderschön diese Geschichte auch ist, so ernüchternd war die Realität als wir den Leuchtturm zu sehen bekamen. Dabei handelt es sich leider nur um eine Stahlgerüst mit einem Licht obenauf und entbehrt jeglicher romantischer Gefühle, die bei dieser Geschichte aufkommen mögen. ABER der Lavafluss ist bis heute zu sehen und auch wie er sich kurz vor dem Leuchtturm aufteilt und diesen damit verschonte.

Der zweite Tag stand ganz im Geiste der Vulkane, für die Big Island so bekannt ist. Vor einigen Monaten hat der Kilauea begonnen seine Aktivität wieder aufzunehmen und Lava, Schwefeldämpfe und Feuer zu spucken. Natürlich konnten wir uns dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen und ich muss zugeben, dass ich beim Anblick eines aktiven Vulkans, der zur Zeit für durchschnittlich 15 Erdbeben pro Tag verantwortlich zeichnet, doch ergriffen war. Besonders beeindruckend ist die Dampfsäule die an der Küste über viele, viele Meilen sichtbar aufsteigt, wo sich die Lava explodierend in den Pazifik ergiesst.

Wirklich beeindruckend wurde der Anblick jedoch erst zu dem Zeitpunkt, an dem die Sonne untergegangen war und man dem Spektakel an dem Punkt mit der besten Aussicht, der volkfestartig belagert wurde, beiwohnen durfte. Das wirklich Schöne daran war natürlich der Anblick, den man als normaler Mensch wahrscheinlich nur einmal in seinem Leben zu Gesicht bekommt – ein Feuerwerk, welches jedoch jegliches bisher gesehene in den Schatten stellt.
Ein emotionales Erlebnis wurde es aber auch erst dadurch, dass trotz der Anwesenheit von bestimmt 100 Menschen an diesem Punkt (mitten auf einem nicht mit dem Auto zugänglichen Lavafeld) eine Stille und Andacht herrschte, die ich heute zum Beispiel hier in Bern therapierefraktär gesucht habe.
Beeindruckend – wenn auch in anderer Weise – war jedoch auch der Weg zu dem Aussichtspunkt. Man fuhr einen Highway einfach soweit bis eine Eisentor kam auf dem das Ende eben dieses Highways verkündet wurde, eine Durchfahrt geschehe auf eigene Gefahr und nur wenige Meter oder im Fall von Hawaii yards später wusste man auch warum. Die Strasse wechselte mehrmals...einige hundert Meter konnte man ein sich auf asphaltierter Strasse, dann wiederum eine Meile auf erkalteter Lava den Weg bahnen.
Das wirklich Wahnwitzige waren jedoch die Grundstücksbesitzer, die nachdem ihre Grundstücke von der Lava zerstört wurden einfach ihre Häuser erneut aufbauten...auf den Tonnen von Lava, ohne echte Strasse, Strom, Wasser oder sonst einer Annehmlichkeit, die man als westlicher Mensch erwarten würde – beeindruckend aber auch irgendwie krank :-). Den Vogel schoss jedoch ein Grundstückbesitzer mit einem „zu verkaufen“ Schild ab.
Danach war es Zeit auf die andere Seite der Insel zu wechseln, die wiederum berühmt für ihre Kaffeeplantagen, schönen Strände und das touristisch verseuchte Kona war. Aber davon berichte ich ein anderes mal.
gruesse, die niere