Be sure to wear some flowers in your hair...

So...nun sitze ich wieder einmal im Flieger. Diesmal aber von San Francisco nach Ohau...also Hawaii. Die letzten drei Tage haben wir in San Francisco wirklich überragend tolle Tage verbracht. Als wir am Abend ankamen mussten wir uns erstmal auf dem Flughafen zurecht finden, was aber durch die etwas eigenwillige Makierung hier in den USA durchaus erschwert wurde. Schlussendlich fanden wir jedoch einen ATM und den Bus, der uns in unser Hotel bringen sollte, was er zum Glück auch tatsächlich tat. Der Weg dorthin war zwar zwischenzeitlich von einigen Zweifeln gepflastert, da es not uncommon war die typischen Bilder von ziemlich heruntergekommenen Pennern zu sehen, die filmgleich ihren Einkaufswagen mit Müll und anderen Dingen vor sich hinschoben, nur um 15m weiter (oder wie man hier sagen würde 35 feet further (ich kann diesem unmetrischen System hier nicht viel abgewinnen...alles ist hier anders...ob Entfernug, Volumen oder Trinkgeld...aber dazu später mehr) durch einen Drogendealer – klischeehaft natürlich ein Schwarzer – unterbrochen zu werden. Kann auch sein, dass er nur der Nachbar war, der dem anderen Typen etwas Mehl geborgt hat, da dieser einen Kuchen für seine Grossmutter machen wollte, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aberf nun zum eigentlichen Thema. Das Hotel lag super...war warem im 6. Stock Ecke Post und Tayler Street untergebracht – nur zwei Blocks von der Nobelmeile am Unionsquare entfernt...na gut...zwei Blocks südlich von uns begannen halt auch die Viertel, in denen – wie es so schön heisst – die Anwesenheit nach Einbruch der Dunkelheit not recommend“ ist :-). Aber wir waren zufrieden...bis auf den kleinen Umstand, dass der Fahrstuhl kaputt und – wie gesagt – das Zimmer im sechsten Stock war. Aber was sind schon zwei Koffer, die 40 kg wiegen, wenn man sein Gegenüber beeindrucken möchte. Oben angekommen genoss ich die tolle Aussicht, einen Stoss aus dem Asthmaspray und liess die Sauerstofftherapie über mich ergehen. Der Tag endete mit einem Cocktail in einem der nobelsten Hotels der Stadt: Beschrieben wurde es als ein Dschungel, in dem es ab und an auch einen Tsunami zu erleben gibt. Erstes Problem war jedoch das Auffinden der Facility. Bis zum Auffinden, dieses wirklich toll ausgestatteten Etablisements lernten wir das gesamte Hotel kennen – von oben bis unten – nur um zu erfahren, dass der songenannte Tongaroom einfach irgendwo unten im Keller untergerbacht war. Das Teil war – muss man zugeben – wirklich cool & speziell: Vieles aus Bambus gebaucht, überall Schlingpflanzen, tolle Atmosphäre, einen Teich in der Mitte und jede halbe Stunde gab es ein Gewitter mit Regen – eindrucksvoll. Aber...die Cocktails waren vorgemixt und bereits 60 Sekunden nach der Bestellung fertig auf dem Tisch, schmeckten suboptimal...also...hmmm...naja...wie die Cocktails halt in einem All inklusive Hotel schmecken...nur dass sie eben dieser Bezeichnung nicht genügten, da die orale Aufnahme einen finanziellen Obulus erforderten, der meiner Meinung nach ein wenig zu „grosszügig“ bemessen war. Aber egal...mein Tipp, wenn man in San Francisco ist: Geht hin, schaut es euch an, es gibt ne grosse Bierkarte und geniesst ein kühles Blondes – wenn man sie eine halbe Stunde Zeit lässt ist das Unwetter auch inklusive.

Am nächsten Morgen ging unsere Erkundungstour los: Ich hatte mich schon eingelesen und einen Plan gemacht, was ich alles in Frisco sehen möchte. Ein Hinweis, für alle die jetzt schon aufstöhnen – nein, ich hab es nicht geschafft und musste leider auf einige Pläne verzichten, was jedoch nicht im geringsten, den Genuss der letzten Tage schmälern konnte.
Wir begannen am Unionsquare, der voller berühmter Läden wie Tiffany's, Macy's, Victoria Secrets und anderen Nobelmarken ist, die wir haben im Tausch gegen ein leckeres Frühstück links liegen liessen.Dann gings nach China Town, ein Stadtteil, von dem man sich sagen kann, was mehr beeindruckt: Die Fülle an geschmacklosem billigen chinesischem Zeug, die Gerüche, bei denen es in den ersten 10 Sekunden schwer ist zu entscheiden, ob es sich um Essen oder Exkremente (fängt beides wenigstens mit E an) handelt oder die unzählbare Anzahl an Geschäften, die diese typisch chinesischen Seidenkleider anbieten (und ich kann stolz behaupten – für alle geneigten Leser möchte ich die Intonation dieses Halbsatzes aus gesundheitlichen Gründen lieber nicht allzusehr präzisieren – in allen in ganz Chinatown gewesen zu sein – mit Freude (zugegebenermassen anfänglich ausgeprägter als gen Ende) undzu guter Letzt auch mit einem guten Ende).

Später stiegen wir die Filbert Steps bis zum Coit Tower auf, ein Turm auf einer Erhebung in San Francisco mit einem beeindruckenden Blick über die Stadt. Dann folgte Fisherman's Wharf...das San Fanciscosche Pendant zur Hafenstadt in Hamburg. Leider extremst von Touristen überlaufen, wie eigentlich jede Ecke in dieser Stadt (ausgenommen von dem Viertel, in dem der nette Herr seinem Nachbar das Mehl geliehen hat), aber nichtsdestotrotz äussert schön. Der Lunsch direkt am Wasser mit direktem Blick auf die Golden Gate Bridge und genau gegenüber von Alcatraz ist etwas, das man nicht alle Tage geniessen kann. Highlight sind mit Sicherheit auch die Seelöwen gewesen, die schon seit Jahren den Pier 39 belagern und sich dort gegenseitig vom Steg schubsen, der die dem anderen den eben eingenommenen Sonnplatz missgönnen. Ein Wirbel von röhrenden schwerfälligen dicken Wansten, die sich sardinen-in-der-dose-gleich aneinander reiben, über- und unterrutschen und sich dann und wann die Zähne zeigen.

Der Abend endete im Frascati, dem – glaubt man zumindest einigen Gourmetmagazinen der USA – zweibeliebtesten Restaurant der Stadt, in dem ich zum Glück vor einigen Wochen noch einen Tisch ergattern konnte. Eine herrlich erfirischende und urhure sympathische Bedienung, ein geiles Ambiente, direkt an den vorbeifahrenden Cablecars und ein spritiger aber derart mundender Weisswein wurden durch das hervorragende Essen abgerundet, so dass am Abend für nichts andere mehr Zeit blieb als zufrieden, betrunken und mit einem breiten Lächeln ins Bett zu fallen und der Dinge zu träumen, die da noch kommen mögen.

Bevor ich weiter schreibe, muss ich aber dringend noch einige Dinge loswerden, die mir hier in den letzten drei Tage wie Schuppen aus den Haaren gefallen sind...ähh...ich meine aufgefallen sind.
Die Toiletten: Jeder weiss, ja, dass – zumindest wenn man den stereotypen Äusserungen vieler Menschen glauben schenken darf – das Umweltbewusstsein der Amerikaner unausgeprägter ist, als das eines Durchschnittseuropäers. Ich werde nach bisher mit Sicherheit nicht ausreichenden Einblicken ein endgültiges Urteil fällen dürfen, aber hey...wie kann man Standardmässig Toiletetn so bauen, dass die Kloschüssel per se schon mit ca. 20 Litern fast bis zum Rand gefüllt ist und diese gesamte Menge beim Spülen inkl. weiterer Hektolitern an Trinkwasser als Spülung per se einfach down the drain geht. Das ganze hat nun wirklich KEINE Vorteile. Weder begrüssen die meisten die erfrischenden Spritzer von unten, wenn man ein grosses Geschäft abschliesst, noch möchte man beim Pinkeln (man entschuldige meine Ausdrucksweise) als Mann seinen besten Jungen „dippen“ oder als Frau, die Springbrunnenspritzer an den Schenkeln fühlen. Aber das ist halt so...zumindest in jeder Toilette in SF.
Der Abschluss eines Restaurantbesuches in Europa entsteht durch die Bitte an den Kellner, doch bitte die Rechnung zu bringen. Ganz egal ob es „Zahlen!“ „La quenta costa“ oder die typische Handbewegung mit den aufeinanderreibenden Fingern und ein trostloser Blick dem Kellner entgegen ist, der ihm sagen soll, dass man keine Ahnung hat, was „Die Rechnung bitte“ in seiner Sprache heisst. Hier in Amerika ist es aber so, dass der Kellner zum Teil noch während des Genusses der Desserts fragt, ob er gerade noch etwas für dich tun kann. Ein – wie auch immer intoniertes oder dargestelltes – Negieren dieser Frage wird mit dem Vorlegen der Rechnung auf den Tisch beantwortet. Mir als Europäer missfällt das, aber auch ich werde in der Lage sein, mich darauf einzustellen und beim nächsten Mal irgendwas unnegierendes aber auch nicht zustimmendes zu murmeln. Mal sehen was passiert.
Tips: Damit meine ich nicht, was man sich unbedingt mal anschauen sollte oder ähnliches, sondern das Trinkgeld. Ist ja schön, dass die Amerikaner häufig in ihren Jobs unterbezahlt sind, aber ich empfinde es als Frechheit, dass mir jedes Schild in jedem Laden (ob das der Bäcker, das Restaurant, das Cablecar, der Bus oder die fahrbare Würstchenbude im schäbigsten Teil der Stadt ist) vorhalten muss, dass Tips im Preis not included sind und man einen solchen erwartet oder noch schlimmer in die Speisekarte schreibt, dass ein Trinkgeld von mindestens 15% erwartet wird! Nennt mich spiessig, aber wo sind wir denn? Der Lonely Planet als eines der führenden Reiseführer dieser Welt (wie ich finde), schreibt über USA doch tatsächlich, dass man bei gutem Service mindestens 15% geben sollte und „nur“ 10%, wenn einem der Service missfallen hat – hey wo leben die denn? Wenn mir der Service missfallen hat, gibt es einfach mal nüscht! Na gut, müssen die sich halt mal zur Abwechslung an mich und nicht umgekehrt gewöhnen.

Aber kommen wir zum letzten Tag in San Francisco...dem Mittwoch, der so einige Überaschungen parat hatte. Er begann in einer herrlischen Bäckerei direkt am Wasser mit Sourdough, das unserem deutschem Sauerteig einiges voraus hat. Dann ging es auf das Schiff nach Alcatraz. Wenn man davon absieht, dass es vogelbedingt an vielen Ecken mehr als streng riecht, ist diese Insel mehr als beeindruckend. Ob das Interesse aus einer Filmliebe zu „The Rock“ oder „Die Flucht von Alcatraz“ herrührt, man sich aus rein historischen Gründen für das Gefängnis interessiert oder die Aussicht geniessen und die Lokalitäten bestaunen möchte. Ein Muss – wenn auch natürlich höchst touristisch angehaucht - für jeden Besucher, wie ich finde. Ein Highlight kann ich jetzt garnicht benennen, aber das was die Häftlinge häufig gesagt haben, wird einem dort ganz nah vor Augen geführt: „Du siehst jeden Tag diese wunderschöne Stadt, die beeindruckende Brücke, bist nur eineinhalb Meilen entfernt und doch ist es einfach unerreichbar für dich – das frustriert am meisten. Es musste ehrlich hart gewesen sein, diesen wunderbaren Ausblick jeden Tag zum Teil nur durch 10cm grosse Fenster „geniessen“ zu dürfen und doch niemals dort hinzukommen. Okay...und die 30 Sekunden in der stockdunklen Isolationszelle waren auch ein Erlebnis der Sorte „once for 30 seconds, but no more“.

Nach der Rückkehr von der Insel hatten wir die hervorragende Ideen uns Velos zu mieten und den Rest der Sightseeingtour auf dem Drahtesel zu absolvieren. Eine herrliche Idee, gäbe es da nicht diesen einen...nein...dazu später.

Wir fuhren direkt am Strand entlang, immer Golden Gate und Alcatraz im Blick, das Wetter war pure pleasure und die Kamera musste alle paar Minuten für den nächsten beeidruckenden Shot herausgeholt werden. Leider ist der Teil unter der Golden Gate Bridge, der in Vertigo genutzt wurde, geschlossen, aber man kommt bis ca. 10m heran und hat einen tollen Blick von unten die Brücke entlang. Noch besser war natürlich die Tour direkt über die Brücke – wären da nicht die lärmenden Auto links neben einem gewesen – ein Traum. Was wirklich witzig ist, ist die Verkehrführung für Fussgänger und Radfahrer, denn je nach Wochentag und Uhrzeit muss man für eine bestimmte Richtung entwederr die westliche oder die östliche Seite des Fussgängerweges nutzen, wobei die östliche Seite die touristisch wertvollere ist.
Nun gut...kommen wir zum Highlight: Nachdem wir die Brücke überquert haben und erfolgreich die falsche Abzweigung genommen haben, was mit einer erneuten Anstieg belohnt wurde, um schlussendlich den wahren Anstieg nochmal durchleben zu dürfen, genossen wir einen atemberaubenden Blick von der anderen Seite der Bucht und der anderen Seite der Brücke auf die Stadt. Die Fahrräder waren sicher abgeschlossen und ich verlor in geistiger Umnachtung und doch bei vollen intellektuellen Fähigkeiten meinerseits das erste Mal in meinem Leben einen Schlüssel – in diesem Fall den Fahrradschlüssel der abgeschlossenen Velos an dem maximal weit entferntesten Punkt von der Ausleihstation. Nach Flüchen, dem Bereuen der Flüche, weil das könnte ja schlechtes Karma herbeiführen und schlussendlich doch wieder Einsteigen in die Kunst des Fluchens – und nicht weiter erwähnenswert einer nicht von Glück erfüllten Suche nach dem Objekt der Begierde – musste ich die Station mit meinem Handy anrufe und um Hilfe bitten. Das wär nur halb so schlimm, wenn ich denn wenigstens ein Netz gehabt hätte. Als ich dieses Problem nach langer Arbeit endlich in Griff bekam, musste ich der Dame ungelogen fünf mal erzählen, wo ich denn nun genau wäre, welches sie nur mit einem schnippischen „Ohhh..“ kommentiert als sie endlich kapiert hat, wo ich respektive das von Ihnen gewollte Velo denn wäre. Als ihr Tipp, das Velo aufzubrechen nicht fruchtete („Womit? Mit meinen Zähnen oder soll ich ihm so lange gut zureden bis er selbst nachgibt?“), entschieden wir uns für die Variante „Velo zurücklassen, Pickup- und Aufbrechgebühren bezahlen, auf dem Gepäckträger gen Fähre stolpern und alles ganz schnell wieder vergessen“.
Der Abend wurde dann aber im ausgewiesenermassen besten Restaurant der Stadt – im Gary Danko – einem krönendem Abschluss zugeführt. Ich weiss nur noch, dass es 4 Gänge & einen überragenden Weisswein gab. Nein ehrlich...ich kann mich an jedes einzelne Geschmackerlebniss jedes Ganges erinnern. Es war in jeder Hinsicht eine Offenbarung. Ob der Service, die Weinberatung, die Toilette (Springbrunnen, klassische Musik, verschiedenste Parfums, Schuhputzer, natürlich Frottee-Handtücher für jeden Gast) oder die gesamte Atmosphäre...es war herrlich. Ich habe ehrlich schon in so einigen Gourmettempel Deutschland und vor allem der Schweiz gegessen, aber solch ein perfektes Dinner (wie es im Fernsehen doch immer so gerne genannt wird) habe ich ehrlich noch nie erlebt. Und hätte irgendjemand höheres mein Leid auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge wiedergutmachen wollen, ging es anschliessend mit dem CableCar wieder zurück nach Hause ins Hotel – und zwar die gesamte Route von Fisherman's Wharf bis zum Union Square vollkommen allein. Der Fahrer machte seine Witze, gab einige Songs zum Besten und war bester Laune seinem verdientem Feierabend entgegen zu gehen. Wir genossen einfach das Ambiente, die Stimmung und vor allem das Surfen am CableCar hängend im lauen Sommernächtchen. Mir würden zwar noch einige Stories zum fast protrusierenden Ausschnitt unser Tischnachbarin mit ihrem asiatischem Begleiter einfallen, aber die sollte ich aus jugendschutzgründen wohl lieber für mich behalten :-).

Dann ging es weiter in den Flieger (mit ner Stunde Verspätung, da der Flughafen einfach mal so 30 Minuten keinen Strom hatte – in welchem Land leben die hier eigentlich?) nach Hawaii...aber das ist eine andere Geschichte ;-)

gruesse, die niere

PS: Ach ja...die Fotos!


Der Blick auf diese Atemberaubende Stadt direkt von Alcatraz aus...



Wohl einer der berühmtesten Ausblicke aus der Stadt, direkt von der Hyde Street runter auf Fisherman's Wharf einen Block vor der steilsten Abfahrt des CalbeCars...



Die Lombard-Street...einer der bekanntesten Strassen San Francisco...und das nur, weil sich einer dachte, blumenumsäumte Serpentinen mitten in einer normalen (also tierisch steilen) Strasse San Franciscos anzulegen...



Der Pier 39 mit seinen Seelöwen...der Krach ist ohrenbetäubend, aber man könnte den Jungs (die Mädels warten ein wenig weiter gen Pazifik vor der Brücke) ewig zuschauen...



Die Golden Gate Bridge ganz in der Nähe der Location von Vertigo...ganz ehrlich...es gab zwei Brücken, die ich bisher gesehen habe, die mir den Atem geraubt haben – diese hier ist eine davon (die andere steht in Sydney ;-))



Dies der Blick von der anderen Seite und wenige Minuten vor dem Schlüsselverlustdeseaster :-)

Jetzt aber...

gruesse, die niere
6.9.08 10:51
 




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